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EFSA veröffentlicht umfassende stellungnahme zum wohlbefinden von kälbern

News Section Icon Veröffentlicht 12.04.2023

Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat ihr neuestes wissenschaftliches Gutachten über das Wohlergehen von Kälbern in landwirtschaftlichen Betrieben veröffentlicht. Dieses unabhängige Gutachten wurde in Auftrag gegeben, um die laufende Überarbeitung der Tierschutzvorschriften der Europäischen Union im Rahmen der "Farm to Fork"-Strategie der Europäischen Kommission zu unterstützen.

Dairy calves on straws

Die am 29. März veröffentlichte Studie "Welfare of calves" bietet einen umfassenden Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Wohlergehen von Kälbern. Die Ergebnisse werden bei der Überarbeitung der EU-Tierschutzvorschriften mitinbegriffen, einschließlich der Überarbeitung der bestehenden Richtlinie 2008/199/EG des Rates mit Mindeststandards für den Schutz von Kälbern.

Die Veröffentlichung befasst sich mit dem allgemeinen Wohlergehen von Kälbern in Milchvieh- und Kalbfleischbetrieben sowie in verschiedenen Haltungssystemen. Darüber hinaus hat die Kommission die EFSA gebeten, drei spezifische Bereiche genauer zu untersuchen:

  • Wohlergehen von männlichen Milchkälbern, die für weißes Kalbfleisch aufgezogen werden
  • Risiko eines begrenzten Kontakts zwischen Kuh und Kalb
  • Art-gerechte Maßnahmen zur Überwachung des Tierschutzes in Schlachthöfen

Wichtigste festgestellte tierschutzrisiken

In der Stellungnahme werden 15 äußerst relevante Folgen für das Wohlergehen der Tiere in den verschiedenen Haltungssystemen ermittelt, wobei Prävalenz, Schweregrad und Dauer der Folgen für das Wohlergehen der Tiere in jedem System berücksichtigt werden. Am häufigsten wurden Atemwegserkrankungen, die Unfähigkeit zur Ausübung des Erkundungs- oder Futtersuchverhaltens, Magen-Darm-Erkrankungen und Gruppenstress genannt.

Zur Bewertung der vorgeschlagenen Maßnahmen für das Wohlergehen werden Ergebnismessungen auf Tierbasis (ABM) verwendet. Außerdem werden die damit verbundenen Risiken, die zu den einzelnen Folgen für das Wohlergehen der Tiere beitragen, detailliert beschrieben und Maßnahmen zu deren Vermeidung, Korrektur oder Abschwächung vorgeschlagen.

Die wichtigsten Gefahren für das Wohlergehen der Tiere in Einzelhaltung waren begrenztes Platzangebot, der begrenzte Kontakt zu Artgenossen, eine karge Umgebung (vor allem in Kälbermastbetrieben), eine geringe Anzahl von Milchmahlzeiten und - bei Kälbern in Milchviehbetrieben - ungenügend Mengen an Milch.

Geringes Platzangebot, ungenügende Einstreu und Spaltenböden waren wiederkehrende Gefährdungen in der Gruppenhaltung.

Empfehlungen des berichts

Der Bericht enthält mehrere detaillierte Empfehlungen zur Verbesserung der derzeitigen Haltungspraktiken und des Wohlergehens der Kälber, darunter:

  • Haltung von Kälbern in kleinen (2-7 Kälber), stabilen Gruppen und/oder mit dem Muttertier ab der ersten Lebenswoche (d.h. vor dem 7. Tag).
  • Milchkälber müssen mindestens 24 Stunden bei der Mutter bleiben und ab diesem Zeitpunkt mit einem anderen Kalb zusammen untergebracht werden. Längerer Kontakt zwischen Kuh und Kalb (CCC) während der gesamten Zeit vor dem Absetzen sollte aufgrund der Vorteile für das Wohlbefinden von Kalb und Kuh zunehmend umgesetzt werden. Alternativ kann auch eine Pflegekuh eingesetzt werden, wenn ein längerer Kuh-Kalb-Kontakt nicht möglich ist. Es bedarf weiterer Forschung, wie CCC-Systeme und die Aufzucht von Pflegekühen in großem Maßstab umgesetzt werden können.
  • Erhöhung des Platzangebots von der derzeitigen Mindestanforderung (1,5 m2 pro Kalb in Einzelhaltung, 1,8 m2 in Gruppenhaltung) auf 3 m2, um Verhaltensbeschränkungen zu verringern und den Kälbern etwas Spielbewegung zu ermöglichen.
  • Bereitstellung spezieller Liegebereiche mit einer verformbaren Oberfläche, idealerweise Einstreu.
  • Unterbringung der Kälber in Gebäuden mit optimaler Belüftung.
  • Kälber, die im Freien gehalten werden, sollten zusätzlich zu trockener, verformbarer (und in kalten Regionen isolierender) Einstreu Zugang zu Schatten oder einem isolierten Unterstand haben.
  • Bereitstellung von 10-12 % des Körpergewichts an qualitativ hochwertigem Kolostrum bis zu 6 Stunden nach der Geburt.
  • Die gegebene Milchmenge sollte bis zum Alter von mindestens 4 Wochen ~20% des Körpergewichts pro Tag betragen und über einen Nucker/Saugerkübel und in mindestens 3 Mahlzeiten pro Tag verabreicht werden. Eine abrupte Entwöhnung sollte vermieden werden, indem die Milchmenge schrittweise und individuell verringert wird.
  • Langfaser Raufutter soll in Raufen bereitgestellt werden, insbesondere mit hohem Eisengehalt (z. B. Heu) für Kälber, um Blutarmut vorzubeugen, und ständiger Zugang zu Trinkwasser.
  • Transporte und Umgruppierungen sollten vermieden werden, indem die Kälber im Betrieb oder in der Nähe gemästet werden.
  • Lange Transportwege (>8 Stunden) sind zu vermeiden.
  • Kälber sollten nicht über Auktionsmärkte verkauft werden.
  • Standardisierte Erfassung tierbezogener Messwerte in Schlachthöfen (z. B. Lungenläsionen, Labmagenläsionen und Körperkonditionswerte) und verhaltensbezogener tierbezogener Messwerte (z. B. Erkundungs- und Futtersuchverhalten), die in den Betrieben erfasst werden.
Infographic EFSA Scientific Opinion On The Welfare Of Calves On Farm

EFSA-empfehlungen unterstützen die sichtweise von compassion

Compassion begrüßt diesen neuen EFSA-Bericht, da er unsere wichtigsten Empfehlungen zum Wohlbefinden von Kälbern mit zusätzlichen soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen komplementiert:

Alle Kälber müssen:

  • in Gruppenhaltung aufgezogen werden.
  • Sie müssen mit angemessener Einstreu versorgt werden.
  • Sie müssen ad libitum mit geeigneten Raufutter versorgt werden.
  • Innerhalb der ersten 6 Stunden nach der Geburt sollen Kälber mit qualitativ hochwertigem Kolostrum versorgt werden.
  • Die Transportzeit sollte auf maximal 8 Stunden begrenzt werden, ohne Exporte.

Wir ermutigen Milch- und Kalbfleischproduzenten und Lebensmittelunternehmen, möglichst viele dieser Empfehlungen zu berücksichtigen und sie in ihre Tierschutzrichtlinien und ihre Pläne zur kontinuierlichen Verbesserung des Tierschutzes aufzunehmen.

Erzeuger und Unternehmen, die sich verpflichten, Milchkälber und/oder Kalbfleisch in artgerechteren Systemen aufzuziehen, können sich für unsere ‚Das Werte Kalb‘ Auszeichnung bewerben.

Dadurch wird nicht nur das Wohlergehen der Tiere in ihrer Lieferkette erheblich verbessert, sondern die Unternehmen können sich auch auf einige der wahrscheinlichen Änderungen der bevorstehenden Rechtsvorschriften zum Schutz von Kälbern in Europa vorbereiten.

Hier erfahren Sie mehr darüber, wie Sie das Wohlergehen von Milchkühen und Kälbern verbessern können.

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